15. Mai 2026
Eltern und Auszubildende lernen mit spezieller Puppe den Umgang mit Frühgeborenen
(Singen) Wenn ein Kind viel zu früh zur Welt kommt, gerät für Eltern vieles aus dem Gleichgewicht. Manchmal kündigt sich eine Frühgeburt an – verbunden mit Sorgen, aber auch mit der Möglichkeit, sich schrittweisen auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. In anderen Fällen geschieht alles plötzlich, ohne Vorwarnung. In beiden Situationen stehen Mütter und Väter vor einer intensiven emotionalen Belastung und einer völlig neuen Realität. Auf der Level-1-Neonatologie am Hegau-Bodensee-Klinikum in Singen werden auch sehr kleine Frühgeborene versorgt – manche mit einem Geburtsgewicht von nur wenigen hundert Gramm.
Um Eltern in dieser Ausnahmesituation Sicherheit zu geben, setzt das Team eine besondere Trainingspuppe ein: „Lewis“ wiegt 750 Gramm und ist in aufwendiger Handarbeit gefertigt. Bis zu 120 Arbeitsstunden fließen in die Entstehung einer Puppe. Größe, Gewicht und Beschaffenheit entsprechen realitätsnah einem sehr kleinen Frühgeborenen. Die Puppe ermöglicht es, Pflegesituationen zu üben, ohne das eigene Kind zu belasten.

„Für Eltern ist die Angst, etwas falsch zu machen, oft sehr groß – gerade bei so kleinen und fragilen Kindern“, sagt Nadja Banders, Bereichsleitung Pflegedienst am Hegau-Bodensee-Klinikum. „Mit Lewis können wir in ruhiger Atmosphäre zeigen und gemeinsam üben: Wie halte ich mein Kind? Wie lagere ich es? Worauf muss ich bei der Atmung achten? Das nimmt Unsicherheit und stärkt das Vertrauen in die eigene Rolle als Mutter oder Vater.“
Die Trainingspuppe wird systematisch in die Elternarbeit integriert – etwa schon bei Gesprächen, wenn sich eine Frühgeburt abzeichnet, sowie in Schulungssituationen. Dabei geht es um grundlegende Handgriffe wie Lagern, Wickeln und Temperaturkontrolle ebenso wie um den Umgang mit Atemunterstützung oder Monitoring. Ziel ist es, Eltern frühzeitig einzubinden und sie Schritt für Schritt auf die Zeit nach der Geburt vorzubereiten.
Gleichzeitig dient Lewis auch der fachlichen Weiterbildung. Im Rahmen der Einarbeitung neuer Pflegekräfte und in der Ausbildung angehender Fachkräfte für Pädiatrie kommt die Puppe regelmäßig zum Einsatz. So können spezifische Anforderungen der Frühgeborenenmedizin praxisnah trainiert werden.


„Die Versorgung extrem kleiner Frühgeborener erfordert höchste medizinische und pflegerische Kompetenz – und zugleich große Sensibilität im Umgang mit den Familien“, betont Prof. Dr. Andreas Trotter, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Hegau-Bodensee-Klinikum. „Die Trainingspuppe ist fest in unser medizinisches und pflegerisches Konzept eingebunden. Sie unterstützt uns dabei, Elternarbeit, Ausbildung und Versorgungsqualität weiter zu stärken. Möglich wurde das durch Spenden an die Klinik für Kinder und Jugendliche – dafür danken wir herzlich.“
Die Trainingspuppe wurde vom Bundesverband Frühgeborenen e.V. bereitgestellt und durch Spenden an die Klinik für Kinder und Jugendliche ermöglicht. Für das Team der Neonatologie ist Lewis mehr als ein Trainingsinstrument: Sie ergänzt die hochspezialisierte medizinische Versorgung um einen entscheidenden Aspekt – die gezielte Begleitung und Unterstützung von Eltern in einer besonders sensiblen Phase.
Quelle: Stabstelle Unternehmenskommunikation und Marketing/Bilder: GLKN