GLKN "Im Gespräch"

Herzwochen 2022

FRAGE 1 : Die diesjährigen Herzwochen der Deutschen Herzstiftung im November 2022 haben als Themenschwerpunkt das Vorhofflimmern. Können Sie uns erklären, was Vorhofflimmern ist und wie man dieses diagnostiziert?
Beim Vorhofflimmern kreisen in den Vorhöfen des Herzens unregelmäßige elektrische Erregungswellen, die zu einer Herzfrequenz (Plus) von 120 - 160 Schlägen pro Minute und mehr führen. Vorhofflimmern wird durch elektrische Störimpuls im Reizleitungssystem des Herzens ausgelöst, deren Ursprung meist in den Lungenvenen liegt. Diese münden in den linken Vorhof. Aufgrund der unregelmäßigen elektrischen Aktivierung schlagen die flimmernden Herzvorhöfe nicht koordiniert. Bei einem Vorhofflimmern Fall können ausgeprägte Beschwerden auftreten, die die Patienten sehr beunruhigen, wie zum Beispiel ein unregelmäßiger und schneller Puls, innere Unruhe, Luftnot bei Belastung, verringerte körperliche Leistungsfähigkeit, Schmerzen in der Brust, teils Bewusstseinsverlust.
Die Diagnose Vorhofflimmern wird mittels eines Ruhe-EKG oder eines Langzeit-EKGs gestellt. Eine Hilfe können auch die Wearables (Smartwatches, Smartphones und andere Devices) mit Pulsmess- und EKG-Funktion sein. Sie ermöglichen es, auch ein Vorhofflimmern, das nur gelegentlich auftritt, zu dokumentieren und dem Arzt oder der Ärztin in diagnostischen Zwecken zu senden. Die EKG- Dokumentation durch Wearables sollte unbedingt von ärztlicher Seite beurteilt werden, um die richtige Diagnose stellen zu können.

FRAGE 2: Warum muss Vorhofflimmern behandelt werden und wie behandelt man das?
Patienten mit Vorhofflimmern haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Um die Patienten vor einem Schlaganfall zu schützen, muss häufig konsequente Medikation zur Blutgerinnungshemmung eingenommen werden. Die vorbeugende Therapie wird allerdings nicht per se bei Vorhofflimmern verordnet, sondern aufgrund des individuellen Schlaganfallrisikos der betroffenen Person.
Dieses wird mit Hilfe einer Zählskala, dem sogenannten CHA2DS2-VASc-Score bestimmt. Risikorelevante Punkte sind zum Beispiel Herzschwäche, Bluthochdruck, Diabetes. Alter über 65 frühere thromboembolische Ereignisse. Je mehr Punkte ein Patient bekommt um so höher, ist das Schlaganfallrisiko und desto dringlicher ist die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente.
Ist die Diagnose Vorhofflimmern gesichert, besprechen Kardiologen und Patienten die Therapiemöglichkeiten. Anwendung findet hierbei die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie aus dem Jahr 2020. Hierbei werden folgende Punkte berücksichtigt:
(A) Die Schlaganfallvorbeugung durch Gerinnungshemmung. (B) Therapieverfahren gegen die Symptome in Form von Rhythmus-erhaltenden Therapie zur Wiederherstellung eines natürlichen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) und/oder einer Frequenz-erhaltenden Therapie zur Einstellung eines zu schnellen oder zu langsamen Herzschlages auf einen normalen Herzschlag mit zirka 60 bis 80 Schlägen pro Minute sowie (C) die Therapie der Begleiterkrankungen und Risikofaktoren, die Vorhofflimmern verursachen oder begünstigen.

FRAGE 3: Wie viele Patienten behandeln Sie in der Kardiologie am Klinikum Singen mit Vorhofflimmern? Und welche Voraussetzungen bietet das Klinikum Singen, um hier die Patienten optimal versorgen zu können?
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und die Inzidenz nimmt mit dem Alter zu. Allein im Landkreis Konstanz muss statistisch mit ca. 10.000 betroffenen Patienten gerechnet werden. Nicht alle dieser Patienten benötigen eine stationäre Behandlung, oftmals erfolgt die Behandlung ambulant durch den Hausarzt und/oder den niedergelassenen Kardiologen. Im Krankenhaus sehen wir die Patienten, die akut über die Notaufnahme wegen schweren Symptomen vorgestellt werden und solche, die geplant zu einer Behandlung kommen. Für letztere bieten wir eine spezielle Herzrhythmussprechstunde an, in der die Behandlung in einem Vorgespräch individuell geplant und terminiert wird. Hier können Patienten mit einer Einweisung des Hausarztes oder Überweisung des Kardiologen angemeldet werden.
Als Behandlungsmöglichkeit besteht grundsätzlich eine medikamentöse Einstellung zur reinen Frequenzkontrolle, in der Regel zur Vermeidung eines sehr schnellen Herzschlages. Ist der Puls zu langsam, muss gelegentlich ein Herzschrittmacher implantiert werden. In vielen Fällen ist aber der Erhalt des normalen Rhythmus das Therapieziel, hierzu gibt es die elektrische Kardioversion, medikamentöse Therapieoptionen und/oder die Katheterablation. Bei dieser werden die bereits erwähnten Störimpulse aus den Lungenvenen mit einem Katheter, der durch die Leiste zum Herz vorgebracht wird, verödet.
Aufgrund des hohen Grades einer Spezialisierung ist die Behandlung von Patienten mit Herzrhythmusstörungen ein Spezialgebiet innerhalb der Kardiologie geworden. Hierzu bietet das Klinikum Singen seit einigen Jahren die personelle und technische Ausstattung zur sicheren und effektiven Behandlung der Patienten. Technisches „Herzstück“ der Behandlung ist das Herzkatheterlabor mit dreidimensionalem Mappingsystem, mit dessen Hilfe Katheter nahezu ohne Röntgenstrahlen im Herzen punktgenau navigiert werden können. Weit über 1000 Patienten wurden bereits auf diesem Wege behandelt.

Priv.-Doz. Dr. med. Marc Kollum Chefarzt I. Medizinische Klinik am HBK Singen (Kardiologie und internistische Intensivmedizin) Ärztlicher Leiter Kardiologie im GLKN

PD Dr. med. Marc Kollum
Chefarzt I. Medizinische Klinik am HBK Singen (Kardiologie und internistische Intensivmedizin)
Ärztl. Leiter Kardiologie GLKN
(Bild: Stertzik)

Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Asbach Leitender Arzt Elektrophysiologie am HBK Singen, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Zusatzqualifikationen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie: Spezielle Rhythmologie, Interventionelle Kardiologie, Herzinsuffizienztherapie Ärztlicher Leiter Kardiologie im GLKN

PD Dr. med. Stefan Asbach
Ltd. Arzt Elektrophysiologie am Klinikum Singen, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Zusatzqualifikationen der Deutschen Ges. für Kardiologie: Spezielle Rhythmologie, Interventionelle Kardiologie, Herzinsuffizienztherapie
(Bild: GLKN)

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