02. Mär 2026

Singen,
02. März 2026 – Der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz (GLKN) stärkt die
Schlaganfallversorgung in der Hegau-Bodensee-Region. Mit dem Aufbau der
interventionellen Neuroradiologie am Hegau-Bodensee-Klinikum (HBK) Singen
können bestimmte schwere Schlaganfälle künftig direkt vor Ort behandelt werden.
Für die Menschen in der Region bedeutet das vor allem eines: schnellere
Therapie und bessere Chancen auf eine gute Erholung. Durch die Erweiterung um
diese Fachexpertise wird zukünftig die Schlaganfallversorgung im Landkreis
medizinisch entscheidend verbessert. Interventionelle Therapiemöglichkeiten
bedeuten für Patienten eine schnelle wohnortnahe Behandlung, wenn die Notwendigkeit
auf bestimmte Eingriffe besteht, die bisher nicht im Landkreis möglich waren.
Seit
dem 1. Februar 2026 verstärkt Prof. Dr. med. Fatih Seker das Zentrum für
Diagnostische und Interventionelle Radiologie unter Leitung von Prof. Dr. med.
Markus Juchems. Als Leiter der Sektion Neuroradiologie bringt er besondere
Expertise für minimalinvasive Eingriffe an den Hirngefäßen mit. Der GLKN
erweitert damit gezielt sein bestehendes Angebot in der neurologischen
Akutversorgung.
Schnelle
Hilfe bei schweren Schlaganfällen – direkt in Singen
Zu
den zentralen Neuerungen gehört die sogenannte mechanische Thrombektomie. Dabei
wird ein Blutgerinnsel, das ein großes Hirngefäß verschließt, mithilfe eines
feinen Katheters entfernt. Dieser Eingriff ist insbesondere bei schweren
Schlaganfällen notwendig, wenn eine alleinige medikamentöse Behandlung nicht
ausreicht.
Bislang
mussten Patientinnen und Patienten aus dem Landkreis für diesen Eingriff häufig
in weiter entfernte Zentren verlegt werden. Künftig kann die Behandlung in vielen
Fällen unmittelbar im HBK Singen erfolgen. Da bei einem Schlaganfall jede
Minute zählt, verbessert die neue Struktur die Voraussetzungen für eine rasche
und gezielte Therapie deutlich.
„Unser
Ziel ist es, Hirngewebe so schnell wie möglich wieder mit Blut zu versorgen.
Jede Minute ohne Durchblutung bedeutet den Verlust von Nervenzellen“, erklärt
Prof. Dr. Fatih Seker. „Mit der Thrombektomie können wir in geeigneten Fällen
die Ursache des Schlaganfalls direkt behandeln und die Chancen auf eine gute Erholung
verbessern.“
Die
interventionelle Neuroradiologie ergänzt die bestehende Schlaganfallversorgung
am Standort Singen, die durch die zertifizierte regionale Stroke Unit der
Neurologie getragen wird. Bereits heute werden dort jährlich über 800
Patientinnen und Patienten mit einem Schlaganfall behandelt und im
Verbund gesamt über 1000 – die neue Struktur baut auf dieser gewachsenen
Expertise auf und erweitert sie um zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten.
Interdisziplinäre
Zusammenarbeit stärkt die regionale Versorgung
Die
Sektion Neuroradiologie ist eng in die bestehenden Strukturen am HBK Singen
eingebunden. Neurologie mit Stroke Unit, Neurochirurgie, Gefäßchirurgie,
Radiologie und spezialisierte Intensivmedizin arbeiten hier strukturiert
zusammen.
Diese
enge Abstimmung ermöglicht es, für jede Patientin und jeden Patienten zeitnah
die passende Therapie festzulegen – sei es eine medikamentöse Behandlung, ein
minimalinvasiver Kathetereingriff oder eine operative Versorgung. Auch bei
anderen Erkrankungen der Hirngefäße, etwa Gefäßaussackungen (Aneurysmen),
Gefäßverengungen oder bestimmten Hirnblutungen, erweitert sich damit das
diagnostische und therapeutische Spektrum.
Bereits
wenige Tage nach dem Start wurde ein geplatztes Hirnaneurysma mit ausgedehnter
Hirnblutung am HBK Singen versorgt. Die Patientin konnte unmittelbar
neurochirurgisch operiert werden. Die notwendige Angiografie sowie die weitere
Behandlung möglicher Gefäßkrämpfe erfolgen interdisziplinär durch
Neuroradiologie, Neurologie, Neurochirurgie und Anästhesie auf der
Intensivstation. Ohne die neu aufgebaute interventionelle Neuroradiologie wäre
in einem solchen Fall bislang eine Verlegung in ein weiter entferntes Zentrum
erforderlich gewesen.
Die
Stroke Units am Klinikum Konstanz und am Hegau-Bodensee-Klinikum Singen sichern
seit vielen Jahren gemeinsam die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten in
der Region. Mit der interventionellen Neuroradiologie wird das neurologische
Profil am Standort Singen gezielt erweitert. Patientinnen und Patienten, die
zunächst in Konstanz aufgenommen werden, profitieren von abgestimmten Abläufen
und klar definierten Wegen in die spezialisierte Weiterbehandlung nach Singen,
wenn ein kathetergestützter Eingriff erforderlich ist. So wird die
Schlaganfallversorgung für die gesamte Region gestärkt.
GLKN
Geschäftsführer Bernd Sieber betont: „Der Aufbau der interventionellen
Neuroradiologie ist ein wichtiger Schritt, um die neurologische Akutversorgung
im Landkreis nachhaltig zu stärken. Wir bündeln vorhandene Kompetenzen und entwickeln
sie gezielt weiter.“
Was ist eine Thrombektomie?
Bei einer Thrombektomie wird ein Blutgerinnsel aus einem verschlossenen Hirngefäß entfernt. Über einen dünnen Katheter, der meist über die Leiste eingeführt wird, gelangt die Ärztin oder der Arzt bis in das betroffene Gefäß im Gehirn. Dort wird das Gerinnsel mit speziellen Instrumenten herausgezogen. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv, also ohne große Operation. Besonders bei schweren Schlaganfällen kann die Thrombektomie bleibende Schäden verringern.
Was bedeutet interventionelle Neuroradiologie?
Die interventionelle Neuroradiologie verbindet moderne Bildgebung mit gezielten, minimalinvasiven Eingriffen an den Gefäßen von Gehirn und Rückenmark. Dazu gehören unter anderem:
Die Angiografie ist ein spezielles bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Blutgefäßen. Über einen dünnen Katheter wird ein Kontrastmittel in die Gefäße eingebracht, das im Röntgenbild sichtbar ist. So können Engstellen, Verschlüsse, Gefäßaussackungen oder Blutungen genau erkannt werden.
In der Neuroradiologie ist die Angiografie nicht nur ein Diagnoseverfahren, sondern häufig auch die Grundlage für eine direkte Behandlung – etwa bei der Thrombektomie oder bei der Versorgung eines Aneurysmas. Sie ermöglicht eine sehr präzise Beurteilung der Hirngefäße und trägt entscheidend dazu bei, Therapien gezielt und sicher durchzuführen.